Putins Devise: «Fangt mich, wenn ihr könnt!»
Bei seinen Bemühungen, Russlands Krieg gegen die Ukraine zu beenden, lässt sich Donald Trump von Wladimir Putin an der Nase herumführen. Solange das so ist, muss die Ukraine auf Europa hoffen.
Bei seinen Bemühungen, Russlands Krieg gegen die Ukraine zu beenden, lässt sich Donald Trump von Wladimir Putin an der Nase herumführen. Solange das so ist, muss die Ukraine auf Europa hoffen.


Unter dem Namen Viktor Schewtschuk schreibt an dieser Stelle ein ukrainischer Offizier, Militärexperte und Politikwissenschaftler über den Verteidigungskrieg gegen Russland. Er drückt dabei seine persönliche Meinung aus, basierend auf allgemein zugänglichen Informationen.
Nach seinen Telefonaten mit Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj schreibt Donald Trump auf Truth Social über den «Krieg zwischen Russland und der Ukraine». Die frühere Wortwahl der Trump-Administration – «Ukraine-Krieg» oder «Konflikt» – weicht nun einem klareren «Krieg». Trump wies zudem Spekulationen zurück, wonach er erneut eine Aussetzung von Militärlieferungen an die Ukraine erwogen habe. Das Weisse Haus bestätigte auch, dass weiterhin militärische Geheimdienstdaten an die Ukraine übermittelt werden.
Die Russen ihrerseits haben ihre zuvor abgebaute Kriegspropaganda-Installation gegenüber der US-Botschaft in Moskau umgehend wieder errichtet – und Putin zeigte sich erstmals im Tarnanzug.
Die russische Kommunikation erfolgt über Symbole – ein System, das die russischen Märkte gut zu deuten wissen. Am Vorabend des Gesprächs zeigten sie noch einen gewissen Optimismus, danach stürzten sie ab.
Trump, der von Moskau fasziniert zu sein scheint, unterschätzt die Herausforderungen im Umgang mit der russischen Führung erheblich. Nachdem die Ukraine bedingungslos einen 30-tägigen Waffenstillstand akzeptiert hatte, hätten normale Verhandler erwartet, dass der Kreml ebenso bedingungslos reagiert. Doch stattdessen diktierte Putin Trump seine eigene Agenda und bestimmte das Tempo der Verhandlungen.
Putin versucht, das Kriegsthema in eine Vielzahl internationaler Fragen aufzuteilen. Der Krieg wird in kleine Fragmente zerlegt, die mit technischen Details beginnen, um den Verhandlungsprozess zu verlangsamen und seine Gegenüber zu verwirren.
Trumps Scheitern beim Versuch, einen Waffenstillstand zu erreichen, ist nicht überraschend. Russland hat auch während der Verhandlungen nach dem Raub der Krim und den -ersten Eroberungen im Donbass den militärischen Druck nie eingestellt. Tatsächlich setzt es militärischen Druck als zentrales Druckmittel ein. Selbst wenn Russland einen Waffenstillstand zusagt, folgt oft unmittelbar eine neue Eskalation. Es testet, wie weit es gehen kann. «Fangt mich, wenn ihr könnt!»
Und das ist erst der Anfang. Auf anfängliche kleine Kompromisse folgen unweigerlich neue Forderungen, die immer schwieriger zu akzeptieren sind – ein bekanntes Muster, das bereits bei den Istanbuler Verhandlungen 2022 zu beobachten war. Am Ende stehen die Gesprächspartner vor dem Dilemma: entweder die mühsam erzielten Fortschritte aufzugeben oder auf neue russische Forderungen einzugehen. Das ist das russische Spiel.
Die Entwicklung auf dem Schlachtfeld bleibt deshalb weiterhin der entscheidende Faktor für die Verhandlungen, und sie sieht so aus:
- Kürzlich zogen sich ukrainische Streitkräfte aus weiten Teilen ihrer Kontrollzone in der Region Kursk zurück. Sie halten jedoch einen schmalen Landstreifen, der strategisch wichtige Höhen in der Nähe der ukrainischen Stadt Sumy kontrolliert.
- In der Region Saporischschja haben russische Truppen einige Geländegewinne erzielt – im Wesentlichen Gebiete zurückerobert, die sie während der ukrainischen Offensive im Sommer 2023 verloren hatten. Grössere Vorstösse sind dort jedoch unwahrscheinlich, da sie auf den Fluss Konka und die vom ukrainischen Militär gehaltenen Höhen am Nordufer stossen.
- Russland intensiviert gleichzeitig seine Angriffe auf den Ballungsraum Slowjansk-Kostjantyniwka, ist derzeit aber nicht in der Lage, ihn direkt zu erobern. Die Zahl der russischen Angriffe entlang der Frontlinie liegt mittlerweile nur noch bei der Hälfte des Höchstwerts vom November 2024.
- Gleichzeitig bleibt die Lage beim strategisch wichtigen Pokrowsk relativ stabil. Ukrainische Truppen haben russische Stellungen in der an Kursk angrenzenden Region Belgorod durchbrochen. Ukrainische Langstreckendrohnen greifen russische Treibstoff- und Militäreinrichtungen an. Der Marschflugkörper «Neptun» erreicht nun Ziele in bis zu 1000 Kilometer Entfernung. Präsident Selenskyj hat zudem eine neue Drohne mit einer Reichweite von 3000 Kilometern angekündigt.
Donald Trump vergleicht sich gerne mit Ronald Reagan. Doch Reagan hatte die Weitsicht, von den Russen das Prinzip «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser» zu lernen. Es wird Monate dauern, bis Trump erkennt, dass er Putin nicht trauen kann – vorausgesetzt, seine Faszination für Russland wird ihm nicht vollends zum Verhängnis.
Vielleicht ist Trump noch in der Lage, zu einer Politik der «Friedenssicherung durch Stärke» zurückzufinden. Bis dahin setzen wir auf das Erwachen Europas, insbesondere auf Deutschlands neue aktive Rolle. Und wir setzen auf die ukrainischen Soldaten.
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SO schreibt: Unter dem Namen…
SO schreibt:
Unter dem Namen Viktor Schewtschuk schreibt an dieser Stelle ein ukrainischer Offizier, Militärexperte und Politikwissenschaftler über den Verteidigungskrieg gegen Russland. Er drückt dabei seine persönliche Meinung aus, basierend auf allgemein zugänglichen Informationen.
Ich schreibe:
Also Pseudonym und "Meinung". Für diese Summe hätte ich ein anderes Wort.
Und was sagt das Publikum?
Die Kirche nennt sie Schäfchen, in Westernromanen heissen sie prosaisch Hammelherde, nicht unbekannt auch die Allegorie der Lemminge.
Ich finde Europa bloss noch dekadent, suizidal. Und die paar Wenigen mit Durchblick werden überstimmt.
Wir wüssten einmal mehr zu…
Wir wüssten einmal mehr zu gerne, was Herr Reuss uns konkret sagen möchte. Wenn er sich doch nur verständlicher ausdrücken würde.
1) Patrick Nigg, Sie…
1)
Patrick Nigg, Sie schreiben "uns", aber ich sehe hier keinen anderen Namen ausser Ihren. Aufplu(ral)sterung? Hingegen ich habe das Rückgrat, alleine geradezustehen für meine Buchstaben.
2)
Patrick Nigg, Ihre "Verständlichkeit" verstehe ich, das nützt aber nichts, wenn Ihre Texte komplett falsch sind:
https://www.suedostschweiz.ch/leserbriefe/2025-03-09/verharmloser-sind-…