Wenn sich Saharasand in den Bündner Bergen breitmacht
Am Mittwoch erwarten uns Temperaturen bis fast 20 Grad in Chur. Wärme ist jedoch zurzeit nicht das Einzige, was sich meteorologisch bei uns verbreitet.
Am Mittwoch erwarten uns Temperaturen bis fast 20 Grad in Chur. Wärme ist jedoch zurzeit nicht das Einzige, was sich meteorologisch bei uns verbreitet.
von Jasmin Schnider und Armena Küchler
Der Winter scheint vorerst vorbei zu sein. Dies kann auf jeden Fall denken, wer ein Blick aufs Thermometer wirft. Am Mittwoch ist es meist sonnig. Im Rheintal werden sehr milde 18 bis 19 Grad erwartet, und sogar in Samedan soll es bis zu 11 Grad warm werden.
Verantwortlich für diese Temperaturen ist gemäss Meteorologe Hannes Tobler von Meteonews milde Luft in der Höhe, die von der Sahara zu uns kommt. Diese werde von einem starken Tiefdruckgebiet über der iberischen Halbinsel ausgelöst. Das Tiefdruckgebiet drehe sich so, dass milde Mittelmeerluft zu uns in die Alpen ströme. Aber nicht nur diese milde Luft erreicht uns dadurch, sondern auch «ein Schwall Saharastaub», erklärt Tobler gegenüber Radio Südostschweiz.
Gelbe Suppe statt weisser Schneepracht
Besonders gut lasse sich das Phänomen von Mittwoch bis Freitag beobachten, weiss Tobler. In dieser Zeit sei die Sandkonzentration am höchsten. «Am Wochenende ändert sich die Windrichtung, dadurch ist der Staub in der Luft nicht mehr gut sichtbar.» Zudem sei der Saharastaub morgens oder abends in höheren Lagen zu sehen, wenn die Sonne tief stehe. Vor allem auf Schnee sei der rote Staub aufgrund des weissen Untergrunds gut zu erkennen.
Dies bestätigt auch ein Blick auf verschiedene Webcams von Bündner Skigebieten:




Ein seltenes Phänomen
Dass solche Bilder in der Südostschweiz zu sehen seien, sei eher selten. Denn damit Saharastaub bis zu uns kommt, müssen laut dem Meteorologen Tobler viele Faktoren zusammenpassen. Einerseits ist eben dieses starke Tiefdruckgebiet essenziell. Andererseits muss es davor in der Wüste einen Sturm gegeben haben, der den Staub erst in die Luft wirbelte. Dass dies vorkommt, ist nicht sehr häufig. In der Regel passiert dies zwei bis fünf Mal im Jahr. «Es kann aber auch Jahre nicht vorkommen», sagt Tobler.
Positiver Nebeneffekt
Dieses spezielle Wetterphänomen sorgt jedoch nicht nur für spektakuläre Fotoaufnahmen, es kommt auch unserer Umwelt zugute. Saharasand ist für Pflanzen nämlich eine Art kostenloser Dünger. Beispielsweise in Brasilien im Regenwald, wo der Boden eher nährstoffarm ist, seien die Menschen auf Sand als Dünger angewiesen. Dieser liefere wichtige Mineralien, erklärt Tobler. «Unsere einheimischen Pflanzen sind jetzt nicht darauf angewiesen, aber es ist sicher ein positiver Nebeneffekt.»
Wetterausblick
Trotz milder Temperaturen und Sand am Boden sei der Winter jedoch noch nicht ganz vorbei, betont Tobler. In tieferen Lagen habe der Frühling zwar schon begonnen, und die Vegetation sei aus ihrem Winterschlaf erwacht. In den Bergen halte der Winter jedoch noch etwas an. Grosse Schneemengen seien aktuell keine zu erwarten, in den Nächten bleibe es aber weiterhin kalt. «Allzu schnell schmelzen wird der Schnee also noch nicht.» Und auch diese «Hitzewelle» wird nur noch bis Freitag andauern. Aufs Wochenende werde es wieder frischer. Es sind normale März-Temperaturen von 12 bis 13 Grad Celsius in der Südostschweiz zu erwarten.
Wie sieht der Himmel bei euch aus? Schickt uns eure Bilder:
Jasmin Schnider produziert als Redaktorin Beiträge und Interviews für Radio Grischa. Sie kommt aus Obersaxen und ist seit August 2020 Teil der Medienfamilie Südostschweiz. Mehr Infos
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